Tonga krönt unsere Auszeit mit Kindern

7 Tage Neiafu, Vava’u Königreich Tonga: Vava’u Blue Water Festival – Rückblick

Tonga krönt unsere Auszeit mit Kindern

Diese duftenden Blumengirlanden gab es als Willkommensgruß von Vorschülern der Hosea Pre-School.

16.9. – 23.9.2015:
Einige Segler hatten uns bereits unterwegs davon erzählt. Aber eigentlich wollten wir zu der Zeit schon in Fidschi sein. Wir hatten es gar nicht so recht eingeplant, das „Vava’u Blue Water Festival“. Ihr ahnt es jedoch schon: es kam anders, nämlich besser! Das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, unser Termin fürs Walschwimmen wurde verschoben, solange blieben wir!

Während dieses Festivals war die Bucht vor Neiafu bis auf den letzten Platz mit Yachten gefüllt. Viele begeisterte Yachties mit Ziel Neuseeland hatten sich bereits registriert, was wir dann auch spontan taten.
Das Programm für die kommenden 2 Wochen sah vielversprechend aus: so einen vollen Terminplan – gegliedert in Morgen-, Tages- und Abendaktivitäten – hatten wir seit der „Atlantic Odyssey“ nicht mehr gehabt. Beim flüchtigen Drüberlesen blieben Events wie „Port Opua Information breakfast“, „Hosea School Concert“, „Passage planning session“ und Whangarei Information and NZ quarantine talk“ sofort bei mir hängen. Weniger gut kam bei mir der Punkt „7th Annual Whangarei Vava’u Challenge Race“ an, hoffentlich übersah Constantin ihn! Wir sind doch keine Regattacrew, sondern Sonntagssegler!

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Zum Start des Vava’u Blue Water Festivals holt Paula unsere Unterlagenmappe ab.

Diese Veranstaltung wird von Neuseeland bzw. der Whangarei Marine Group organisiert, um Segler möglichst vor Ihrer Ankunft über alle wichtigen Dos und Donts im Land zu informieren. Somit standen uns eine Woche Helfer aus den Einklarierungshäfen Opua und Whangarei für alle offenen Fragen zur Verfügung. Besonders gefürchtet bei Blauwasserseglern ist das Thema „Quarantäne-Vorschriften“. Auch ich hatte da großen Klärungsbedarf und war froh, hilfreiche Antworten auf meine Fragenflut zu bekommen. Ja, unser Müsli darf nach Neuseeland, solange es keine lebenden Kriechtierchen enthält, etc… Zudem gab es wichtige Infos von Wetterspezialisten und Vorträge zur Routenplanung. Und nicht zuletzt die bei Seglern allseits beliebte Beschäftigung, neue Segler kennenzulernen, vor allem verrückte Niederländer und Südafrikaner, Kontakte zu knüpfen uuund Spaaass haben. Davon sollte es laut Programm genug geben! Ich hatte den Eindruck, dass halb Neiafu in die Events miteingebunden war, die wichtigsten Bars/Restaurants sowieso, da jeder Abend in einer davon begann oder endete.

Zum grandiosesten aller Events (angekündigt als „BIG surprise“) kamen wir beinahe zu spät. Wir waren es einfach nicht mehr gewohnt, dauernd auf die Uhr zu sehen.Die Vorführung begann und endete mit einer Prozession durch Neiafu, begleitet von der Brass Band.

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Die jungen Musiker der Brass Band treten in einheitlichen “Röcken” und Flip Flops auf und tanzen zu ihrer schwungvollen Musik.

Auf dem Rasen vor der Vorschule waren mehrere Zelte mit Sitzbänken, Stühlen und langen Tischen aufgebaut. Wir Besucher mischten uns unter die Kinder, Eltern und Lehrerinnen, die alle noch dabei waren, Ordnung ins Chaos zu bringen, und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Kleinen bereiteten sich auf ihre Vorführung vor, die sie heute in ihren Schulferien für uns geben wollten. Einige Mädels wurden noch geschminkt oder mit Kokosöl eingerieben, zum Schluss waren alle Kids in ihre aufwendigen, farbenfrohen Kostüme gepackt. Der Aufwand, der hier für uns getrieben wurde, und die Atmosphäre erinnerte mich an die Einschulung unserer Mädels!
Das Spektakel begann als Parade auf der Strasse, wo die Kids selbstgemalte Plakate hielten, uns herzliche tonganische Willkommensgrüße zuriefen, und sich die Brass Band aus kostümierten Jungmännern formierte, um mit einem fetzigen Song loszuschmettern. Die nächsten 2 Stunden verliefen wie in einem Film, die Kleinen tanzten und sangen mit solch einem Wahnsinns-Enthusiasmus, dass wir mit Applaudieren und Jubeln kaum aufhören konnten.

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„Happy, happy Tonga” und andere Lieder waren ein herzlicher Willkommensgruß der Vorschüler für die hapa na sasa Crew und andere Besucher.

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In verschiedenen Gruppen stellen uns die Kleinen ihre Tänze und Lieder vor.

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Die Spende hilft, die Schule instandzuhalten.

Unsere Begeisterung durften wir zeigen, indem wir den Kindern Geldnoten in die Kostüme steckten. Eine Lehrerein sammelte es nach jeder Vorführung in einer Plastiktüte ein. Dazwischen gab es Show-Einlagen der Brass Band, die zu ihrer Musik tanzte. Zum Schluss bekamen auch wir die schönsten Blumenkränze umgehängt, was uns alles sehr berührte.

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Die hübschen Blumenketten bekamen alle Besucher, Groß und Klein!

Nach der Vorführung wurden wir alle gebeten, am endlosen Buffet lokale Hausmannskost der Mütter zu probieren. Alle Zuschauer waren sichtlich beeindruckt. „They made my heart smile.“, hörte ich jemanden sagen. Genau so war es! Die Kinder hatten sich wieder in ihre Schuluniformen umgezogen, die weniger Scheuen setzten sich zum Picknick zu uns. Da sie die einzige englischsprachige Vorschule der Insel besuchten, konnten wir uns mit ihnen und ihren Eltern auf Englisch unterhalten. Allerdings waren die Namen für mich die reinsten Zungenbrecher. Kurioserweise hiess ein Junge Eva 😉

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Nach den Vorführungen wurde zur Musik der Brass Band weitergetanzt.

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Jede Familie leistete einen Beitrag zum endlosen Buffet mit lokalen Köstlichkeiten.

Nach dem Picknick besichtigten wir die Klassenräume. Die Schule wird seit 7 Jahren von Whangarei Marine Group mit regelmäßigen Spenden unterstützt. Das letzte Geschenk konnten wir auf dem Spielplatz bewundern: ein Trampolin. Allerdings war es bei den Kids so beliebt, dass sie sich sogar während des Unterrichts aus dem Raum stahlen, um heimlich alleine zu hüpfen… Die aufgeräumten Klassenräume machten den Eindruck, dass den Schülern das Lernen Spaß machte. Dennoch hätten in Deutschland Eltern sicherlich erstmal einen Statiker beauftragt, um sicherzustellen, daß das Gebäude bei stärkerem Wind nicht zusammenfällt oder davonweht. Hier war es höchste Zeit für so eine Samstags-Aktion, die unser Kindergarten einmal jährlich startete: Papa-Reparier-Tag, wobei danach auch sicherlich der ein oder andere Papa repariert werden musste.

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Die Hosea Christian Mission Pre-School gehört zu der einzigen englischsprachigen Grundschule in Vava’u.

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Gerade sind Ferien, aber bald sind die ABC-Schützen wieder an ihren Plätzen!

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Paula besucht die Vorschule…

Ja, Constantin hatte uns angemeldet zur Fun-Regatta, unter dessen Deckmantel um 11:00 an der Startlinie zwischen allen anwesenden Yachten bereits die ersten Kämpfchen ausgefochten wurden. Obwohl Barfußsegler ja ein friedfertiges und gemütliches Völkchen sind, kann sich dieses schlagartig ändern: sobald von achtern ein anderer Segler am Horizont auftaucht. Es wird im AIS gecheckt, wer das ist, ob man ihn kennt, wie schnell er gerade fährt etc. Der Skipper beginnt damit, die seit mehreren Stunden stehenden Segel zu trimmen und die Mannschaft (vor 30 Minuten mit einem Buch in der Hand an Deck gekommen) auf Trab zu bringen, sprich, jetzt wird das Schiff mal ein paar Knoten schneller gemacht. An diesem Vormittag machten sich nun in diesem Sinne ca. 15-20 Yachten auf den ca. 2,5stündigen Ritt zur Hinakaeau Bay, wo das Ziel und die Strandparty lockte.

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Kurz nach dem sehr guten Start verteidigt die hapa na sasa ihre Position.

Wir hatten als Crewverstärkung Jan an Bord, der sonst mit seinem 7,5m-Boot die halbe Welt umrundet, an diesem Tag aber als Vorschoter bei uns fungierte. Andere Yachten hatten ebenfalls ihre Mannschaften möglichst vorteilhaft aufgestockt oder komplett verändert, so segelten z.B. die niederländischen Frauen gegen ihre Männer.
Louisa hatte extra bei uns am Niedergang einen großen Zettel mit den Vorfahrtsregeln aufgemalt. Beim Kreuzen wurden wir beinahe bereits kurz nach dem Start von unserer direkten Konkurrenz, einer schottischen Familiencrew, über den Haufen gefahren, weil sie vermutlich eben diesen Zettel nicht bei sich aufgehängt hatten. Natürlich wichen wir rechtzeitig aus, schließlich sind wir ja mit unserem schwimmenden Zuhause unterwegs. Der Rest verlief weniger dramatisch, und wir erreichten so im ersten Drittel des Feldes, nachdem uns Greg mit seiner „Oceana“ noch 200m vor der Ziellinie versegelt hat, das Ziel und später sogar noch unter den ersten 20 Personen den Strand.

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Fliegende Untertassen an der Hinakaeau Beach?

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Paula wirft Fliegende Untertassen?

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Nein, am Strand gab es Kissenweitwurf für die Kids.

Der Rest des Tages stand nun Groß und Klein, Alt und Jung zum Feiern bei der großen Beach Party zur Verfügung, auch waren einige Spiele angesagt. Als eine Veranstalterin Ehepaare für ein Quiz suchte, meldete ich Constantin und mich an. Wenig später saßen wir mit 3 anderen Paaren in der Runde. Wir sollten getrennt Fragen beantworten, die dann später jeweils dem Partner gestellt werden sollten. Das Paar mit den meisten deckungsgleichen Antworten bekam einen Preis. Dann ging’s auch schon los mit Fragen wie: „Wann hat er seinen letzten Hamburger gegessen? – Was ist das Wertvollste in seinem Leben?“ usw. Mit einem Quentchen Glück schafften wir es tatsächlich, die anderen Paare hinter uns zu lassen (ein bisschen ist wohl hängen geblieben, in den 26 Jahren, die wir zusammen sind). Wer wagt, gewinnt! Wir freuten uns sehr über unseren Gewinn: einen 100€-Restaurantgutschein. Zumal uns von Freunden versichert wurde, dass das Essen dort sehr gut sei! So kamen wir also in den Genuß eines romantischen Candlelight Dinners – für Constantin hatte ich am vorigen Tag einen Hummer bestellt – während unsere südafrikanischen Freunde von der „Toccata“ mit Louisa und Paula in der Zeit Dominoes bei uns an Bord spielten.

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Bei unserem Lobster-Dinner wurden wir verwöhnt wie “Honeymoon Gäste”.

Nach den Spielen und dem vor Ort zubereiteten leckeren Curry gab es die Siegerehrung, bei der die 25m lange „Feeling Good“ den 1. Platz machte. Die amerikanischen Eigner und die italienische Crew, die wir bereits kennengelernt hatten, freuten sich riesig und wurden von allen Anwesenden umjubelt. Später wurde getanzt bis zum Umfallen, Louisa gewann als bestes Mädchen beim Limbo-Contest.

Die große Siegerehrung fand allerdings am Ende des Festivals statt, der Abend hielt auch noch einige Überraschungen für alle parat. Neben der Vergabe der offiziellen Gewinne konnten auch noch Gutscheine (von Aus-dem-Wasser-Holen über Liegeplatzgebühren bis Zahnarztbesuch) ersteigert werden. Es gab kaum jemanden, der leer ausging. Der Spaßfaktor war enorm, insbesondere als jemand mitbot und seine Frau ihm zuflüsterte, dass sie das gar nicht benötigten…

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First Kids across the Finish Line: dafür gab es für Louisa und Paula (Team “hapa na sasa”) tolle T-Shirts.

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Der Weg führt zur “Sweeties factory” alias “die Eisbude”

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Abgesahnt: Die “best behaved kids” werden von John zum Eis eingeladen.

Krönender Abschluss waren die traditionellen Tanz-Vorführungen, die wir teilweise bereits an der Hinakaeau Beach bewundern durften: junge, grazile Mädchen mit weichen, fließenden Bewegungen, im Gegensatz zu den Tahitianerinnen ohne rasantes Pogewackel. Später folgten drahtige, junge Männer mit kreisenden Stöcken im Kriegstanz und zum Schluss der besonders eindrucksvolle Firedancer. Er hielt uns mit seiner brennenden, durch die Luft schwirrenden Fackel mehrere Minuten in Atem und ließ sie abschließend auf seinen Fußsohlen zum Ruhen kommen, autsch!

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Die Tänzerinnen freuen sich über Geldscheine, die ihnen während des Tanzes zugesteckt werden.

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Hielt uns minutenlang in Atem: der Mann, der mit dem Feuer tanzt.

Im Rahmen des Festivals hatten wir auch das australische Ehepaar Ian und Vanessa kennengelernt. Beim Besuch ihrer Farm hatten wir an ihrer Führung „The Taste of Tonga/Queen Vanilla“ teilgenommen, wo sie uns in ihre Geheimnisse der Kokosölproduktion und den Vanilleanbau einweihten. Spannende Geschichte, Fortsetzung folgt!

Nach dieser Woche, die wir, wie Ihr feststellen konntet, mit ausgiebigem Feiern verbrachten, kam dann am Samstag der Ernst unseres ersten wirklich sportlichen Ereignisses. Wir hatten uns mit den “Terrifying Toccatans” zum „Bi-annual Aquarium Multi-sport Race“, einem 5-Athlon angemeldet: Constantin machte den Start als Schwimmer. Danach legte Bradley im Kayak los, Saskia musste einen steilen Berg hochrennen, Peter radelte, und ich war zum Schluss mit Gehen und Müllsammeln an der Reihe. Voll bepackt mit einem grossen Sack gefüllt u.a. mit Flip-Flops, Turnschuhen, Tennisschläger und sonstigem Müll, den man in der Umgebung einer Schule so findet, erreichte ich das Ziel. Das Ganze hatte ebenfalls Fun-Charakter, denn bei den Übergaben mussten kleine Aufgaben bewältigt werden, zum Schluss sollte das gesamte Team in Rekordzeit einen Beutel mit Firi Firi Bällen, das sind frittierte Teigbälle mit Kokosmilch, verputzen. Erst dann wurde die Zeit gestopt. Alle 5 Teams kämpften hart. Es gab sogar eine Frau, die alle fünf Sportarten alleine absolvierte, Respekt! Unser Team belegte einen der beiden 2. Plätze. Abends wurden alle Teilnehmer mit Gratis-Drinks und Pizza von Mike, dem Besitzer des „Aquarium Cafe“, für ihre sportliche Leistung belohnt.

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Fragen benatworten wir immer gerne. 

Ein wunderbares Anlegemanöver am Geländer in Port Louis auf Mauritius

5 Antworten

  1. Danke für Ihren Kommentar, nehmen Sie sich einfach die Freiheit unsere Berichte in Zukunft nicht zu lesen.

    Beste Grüsse
    Constantin Goth

  2. Lieber Constantin, liebe Crew, Eure Reise erzeugt natürlich bei “Mutlosen” Neid. Lasst Euch nicht vom Kurs abbringen. Ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest und einen traumhaften Jahreswechsel.
    Viele Grüße
    Bernd

    1. Hallo Mia,
      das ist eine gute Idee, ich schaue mal, ob sich das auf der Seite einrichten lässt.
      Beste Grüsse
      Constantin

Kommentare sind geschlossen.

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