Unsere ersten 48 Stunden Neiafu, Vava’u / Königreich Tonga – Rückblick

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Neue T-Shirts für die Crew der hapa na sasa.

1. Tag – Donnerstag, 10.9.2015
11:30: Unsere „hapa na sasa“ liegt sicher an einer der letzten freien Mooringbojen in der geschützten Ankerbucht vor Neiafu, Vava’u, keine 100m vom Land entfernt. Ein paar bekannte Bootsnamen aus Nuku Hiva und Tahiti haben wir schon entdeckt, eine Handvoll andere Segler werden einige Tage nach uns ankommen. Weiter südlich im Ankerfeld liegen ein paar große Motoryachten und eine größere Segelyacht. Louisa und Paula checken gleich auf dem AIS: die größte Motoryacht „Méduse“ ist 80m lang, die Segelyacht wird als „Escapade“ identifiziert. Welch ein Zufall, die „Escapade“ kennen wir bereits aus der Zeitschrift „Boote Exklusiv“, die bei uns als Bordlektüre mitfährt. Darin hatten wir bereits den Bericht gelesen: ca. 37m lang, Karbonmast, tolles Deck mit überdachtem Lounge-Bereich, Interieur mit asiatischen Stilelementen, die Eigner leben in der Schweiz sowie in Malaysia, und sind gerade auf einer Weltumsegelung ostwärts unterwegs.

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Erster Stopp am Dinghydock – hier gibt’s alles, was einen Yachtie glücklich macht!

Während wir unser Dinghy zu Wasser lassen, erklingt 80er-Jahre-Musik einer Brass Band aus einem zwischen den Bäumen versteckten Gebäude. Dazwischen kräht ab und zu ein Hahn.
Mit unseren Smartphones, iPads , iPods und Rechnern im Gepäck fahren wir nun zum nächsten Dinghydock und schauen uns um. Unseren nicht vorhandenen Müll dürfen wir nach „tins, glass & rubbish“ gleich in den bereitgestellten Behältern loswerden und im „Aquarium Café“ gegenüber bezahlen. Was den Müll anbelangt, herrschen hier geordnete Verhältnisse. Weiterhin begrüßt uns ein Schild mit den Worten: „WiFi & mooring available – Welcome to Aquarium – Your home far away from your home“. Das ist genau das, was wir gleich brauchen!
Wir stellen uns kurz nebenan bei „Beluga Diving“ vor, den Besitzern unserer Mooring. Nachdem alles geregelt ist, machen wir es uns im Internetcafé bequem. Hier scheint früher oder später am Tag jeder Yachtie hängenzubleiben. Wir sind nicht die einzigen Gäste, die wir ganz einfach in 2 Gruppen einteilen können: die WiFi-Abhängigen und die Gourmets. Vorerst gehören wir zur ersteren.
Aber die duftenden, lecker aussehenden Gerichte, die an uns vorbeigetragen werden, erinnern uns daran, dass unsere Mägen sich demnächst über ein Mittagessen freuen würden. Die Riesenpizza am Nachbartisch tut ihr Übriges. Wir kommen also wenig später in den Genuß des Tagesangebotes – 1 Familienpizza bestellen und eine normale Margarita gratis dazu bekommen. Die „Chicken Curry“ Pizza ist ein Traum, die Mädels freuen sich über ihre erste Pizza seit Panama City!
Wir feiern hiermit unsere gelungene Überfahrt und unsere Ankunft auf Vava’u, im Königreich Tonga.

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Buckelwale zum Anfassen: Tonga macht Schwimmen mit Walen zum unvergeßlichen Erlebnis

15:00: Nachdem wir uns mit einer Familie aus den USA mit 2 fast gleichaltrigen Mädels wie unsere unterhalten haben, machen wir uns auf den Weg entlang der Hauptstrasse, stadteinwärts. Wir möchten frisches Brot kaufen und leere Gasflaschen befüllen lassen.
Achtung, hier herrscht Linksverkehr! Die erste Kuriosität ist eine baskische Tapasbar, welche auch gleichzeitig den Friseursalon der Ehefrau und das Nagelstudio von Mascha, einer jungen Russin, beherbergt. Anschließend erreichen wir die Katholische Kirche „Sangato Sosefo“, die majestätisch auf einer Anhöhe steht, und in der Verlängerung der Hauptstrasse dem Auge einen optischen Höhepunkt bietet. Der Besuch eines Gottesdienstes wurde uns bereits nahegelegt, zumal sonntags die Bürgersteige hochgeklappt werden und sämtliche Aktivitäten inkl. das Hören lauter Musik gesetzlich verboten sind. Erlaubt sind immerhin „visiting a church, eating and drinking (feasting) and making love“ – aber das wisst ihr ja schon…
Bevor wir nun ein paar hundert Meter weiter das Ortszentrum erreichen, entdecken wir noch eine 7-köpfige Schweinefamilie, die eine Seitenstrasse überquert und in einem Garten verschwindet. Auf den meisten Grundstücken sehen wir Wohnhäuschen in mehr oder minder gutem Zustand, spielende Kinder in den Gärten oder auf den Gehsteigen und dazwischen die Schweinefamilien, Hunde und Hühner. Hier und da steht entweder ein Boots- oder Autowrack im Garten.
Die Supermärkte sind nicht auf den ersten Blick erkennbar, manche sind als Autoersatzteilgeschäft oder Kioskbude getarnt, letztere sogar ohne Eingangstür, aber mit einem Fenster, zur Hälfte vergittert. Unser Glück zum Brotkaufen versuchen wir beim „Tropicana“, allerdings sind wir zu spät. Hier soll es das beste braune Brot der Insel geben, auf Vorbestellung. Unsere Gasflaschen können wir am nächsten Morgen dort vorbeibringen, und erhalten sie dann eine Stunde später gefüllt zurück – so einen Service hatten wir schon lange nicht mehr!
Trotzdem haben wir noch kein Brot und suchen nun die Geschäfte auf, die uns noch genannt wurden. (Auf dem Weg kommen uns ein paar Einheimische entgegen, die über ihre moderne Kleidung (Frauen grundsätzlich mit verhüllten Schultern und knielangen Röcken oder Kleidern) gewebte Matten aus getrockneten Blättern um die Hüften geschlungen haben. Sie freuen sich darüber, dass wir ein Foto mit ihnen machen.
Im chinesischen Supermarkt unten am Markt kaufe ich dann den letzten Zweierpack Weissbrot. Constantin fragt beim „Aquarium“ nach, ob wir einige Wasserflaschen befüllen können. Wir benötigen dringend Trinkwasser, da unser Wassermacher ja 3 Tage vor Tonga versagte. Unsere Mission für heute ist beendet.

19:00: Juhu, endlich gibt es wieder Salat auf unserem Speiseplan! Constantin hatte morgens nach dem „Customs Clearance“ auf dem Markt gleich Salat, Tomaten und Gurken gekauft. Wir haben uns schon so sehr an unser Wassermacher-Wasser gewöhnt, dass uns das abgezapfte Leitungswasser zum Abendessen nicht so recht schmeckt. Obwohl ich das Weissbrot in der Pfanne wie üblich angeröstet habe, schmeckt es der Mehrheit unserer Crew nicht. Also holen wir unser „heiliges“ deutsches Dreikorn-Schwarzbrot hervor, welches wir bei besonderen Gelegenheiten öffnen. Besondere Gelegenheit heute: Wir haben unser erstes Königreich betreten.

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Eleonoa und ihre Tochter verkaufen ihre geflochtenen Körbe aus getrockneten Blättern

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Flechtkunst will gelernt sein – Paula möchte wissen, wie’s geht.

2. Tag – Freitag, 11.9.2015
08:00: Herrlich, so eine Nacht zum Durchschlafen! Louisa und Paula helfen mir vor dem Frühstück, unsere beiden leeren Gasflaschen zum Befüllen zu schleppen. Im Nebenraum deponiert Louisa ihr deutsches Kinderbuch beim book-swap und findet für mich ein Yoga-Buch. Nun steht meiner Fitness an Bord nichts mehr im Wege – außer meine Verschieberitis und ggf. noch der entspr. Platz, von einer Matte sehe ich mal ganz ab.
Diesesmal finden wir auch die Bäckerei, nachdem ich mir den Weg aufskizziert habe. Wir folgen der Strasse, die auch den Weg zum „Ministry of Education“ und zur „Royal Residence“ weist. Naja, wir wollen vorerst nur zum Bäcker, um die besten cinnamon rolls der Insel, leckeres Rosinenbrot (auf dem Schildchen steht „raising bread“ 😉 ), Muffins und Weißbrot für unser Frühstück zu kaufen.
Ihr habt es bemerkt: wir sind froh über die Auswahl, nachdem wir die letzten Wochen entweder Weißbrot oder Baguette oder gar nichts kaufen konnten. Manchmal hieß es, wir sollten um spätestens 7:00 da sein, bekamen dann trotzdem nichts mehr. Vorsichtshalber frage ich auch hier nach, wann wir denn morgen kommen sollen.
Da unsere Gasflaschen auf dem Rückweg noch aufs Befüllen warten, fahren wir zurück zum Schiff, um dort unsere Leckereien zu genießen.

11:00: Paula erbarmt sich, mit mir die vollen Gasflaschen abzuholen. Sie schleppt tapfer die kleine blaue. Langsam wird uns recht warm, allerdings kleben unsere T-Shirts noch nicht am Körper. Nach Zweidritteln des Weges und mehreren Verschnaufpausen für die Hände werden wir vor der Kirche von einem Autofahrer angesprochen. Dankbar klettern wir auf den Beifahrersitz und werden wenige Minuten später direkt vor dem Dinghydock abgesetzt. Welch ein Luxus!
In der Zwischenzeit haben Constantin und Louisa unseren Wassermacher auseinandergenommen bzw. das „explodierte“ Gehäuse der Membran ausgebaut. Sie haben das Ganze so zusammengefügt, dass wir wenigstens mit der funktionierenden Membran 60L/h machen können. Einen unserer Wassertanks sowie unsere Bilge hatten wir ja unglücklicherweise mit Salzwasser befüllt. Nun können wir unsere Tanks wieder mit Frischwasser füllen. Die Ersatzteile sind schon unterwegs.

15:00: Louisa und Paula sind mit den beiden Mädels von der „Asmara Sky“, so heißen die Mädels auch, verabredet. In dieser Zeit können wir Mütter uns ein bisschen austauschen. Leider hält sich der Enthusiasmus unserer Kinder vor der Abfahrt in Grenzen, so dass ich schließlich ohne sie an Land fahre und mich alleine mit der Familie treffe. Später verabreden wir uns für den Abend um 19:00 zur Kultur-Veranstaltung am Fischerhafen. Jeden Freitagbend gibt es dort kleine Leckereien/Imbisse und Vorführungen von tanzenden Schulklassen, der Brass Band oder Frauen, die traditionelle Tänze zeigen: ein herzlicher Willkommensgruss für Besucher. Das hört sich doch gut an!

17:00: Während ich noch meine eMails checke – was länger als geplant dauert – setzt sich ein Ehepaar mit einem Sohn in Louisas Alter in meine Nähe. Sie schäkern mit dem Besitzer, scheinen hier schon öfter gewesen zu sein oder hier bekannt zu sein. Ein paar Wortfetzen aus der Unterhaltung dringen zu mir, es geht um einen Termin beim Friseur. Der hochgewachsene Mann spricht mit einem Akzent Englisch, mit seiner sehr gut gekleideten, asiatisch aussehenden Frau spricht er Französisch. Für mich sieht es nach einer interessanten Familie aus. Doch bevor ich sie ansprechen kann, verabschieden sie sich von ihrem Sohn und lassen ihn mit seinem Tablet zurück.

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Beim Billfish Tournament bewundern wir die kunstvoll geschnitzten Trophäen der Vorjahre.

17:45: In der Zwischenzeit war Constantin mit unseren Mädels beim „Mango“, an dessen Dock gerade die Boote reinkommen, die am einwöchigen „24th Tongan International Billfish Tournament“ teilnehmen. Über Funk hatten wir tagsüber mithören können, wer welchen strike hatte. Die meisten Sportfischer machten jedoch catch-and-release. Begeistert erzählt Louisa von einem rieisgen Blue Marlin, der gerade mit über 140kg vermessen wurde. Da werden wir morgen sicherlich nochmals vorbeischauen, wenn die neuen Fänge des Tages vermessen werden. Von mir bekommt Constantin kurz noch den Hinweis, dass wir heute abend zu der Kultur-Veranstaltung gehen könnten. Louisa fährt daraufhin mit mir nochmal zurück zum Schiff, damit wir für sie ein leckeres eifreies Ersatzessen mitnehmen können. An rohen Fisch in Kokosmilch, gebratene Brotfrüchte und eingelegte Papayas haben sich unsere Kids noch nicht gewöhnt!

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“Dicker Fisch” und “Toller Hecht”

In unserer Auszeit mit Kindern bewundern wir einen Billfish

Die Fänge wurden nachmittags vermessen und gewogen, mit dabei Mahi-Mahis, Yellowfin Tunas und sogar dieser riesige Billfish mit ca. 140kg!

18:40: Die Tasche ist gepackt, Louisa und ich können mit dem Dinghy los und die anderen abholen. Als ich gerade die Tür abschließe, sehe ich die „Boote Exklusiv“ auf unserem Eßtisch liegen und packe sie noch schnell ein. Jetzt aber los, sonst sind wir zu spät!

18:55: Zurück am Dinghydock sehe ich, dass die Familie mit dem Sohn wieder an ihrem Tisch sitzt und sich mit Einheimischen unterhält.

Jetzt ist es Zeit, unseren Plan für heute abend zu ändern. Ich weihe Constantin und unsere Kids in meine Vermutung ein und habe einen Plan: die Kulturshow läuft uns nicht weg, aber vor uns liegt die einmalige Gelegenheit…
Mit der Zeitschrift in der Hand gehen wir zu der Familie an den Tisch, und wir sprechen sie auf ihre Traumyacht und den Artikel mit den zahlreichen Fotos an.

Sie freuen sich sichtlich über unsere Fragen und fordern uns auf, uns zu ihnen an den Tisch zu setzen, wo es langsam eng wird. Bei ihnen sind 2 von 7 Brüdern, mit denen die Familie bereits dreimal Whale swimming gebucht hatte.
Dieser Abend ist für uns ein absolutes Highlight unserer bisherigen Reise. Ich habe oft schon überlegt, was das für Menschen sind, die mit einer Superyacht auf Weltreise unterwegs sind. Und nun haben wir die einzigartige Möglichkeit, eine dieser Familien ein wenig kennenzulernen und mit ihnen einen entspannten und amüsanten Abend zu verbringen. Auch unsere Mädels tauen auf und sind froh, einen Spielkameraden zu haben. Den gesamten Abend sind die drei kaum zu sehen. Wie sich herausstellt, haben sie neben Versteckenspielen u.a. Fotos vom „Hobbitland“ in Neuseeland, wo der Sohn ein Jahr zur Schule ging, angesehen.

Die Familie ist auf einer mehrjährigen Weltreise ostwärts um Kap Hoorn unterwegs. Besonders beeindruckt mich, mit welcher Herzlichkeit und Offenheit sie uns behandeln. Als seien wir alte Bekannte, bekommen wir detaillierte Informationen zu ihrem Schiffsbau, dem Interieur, ihrem einjährigen Aufenthalt in Neuseeland und ihren bisherigen Reiseerlebnissen.

23:00: Obwohl wir in dieser angenehmen Gesellschaft noch gerne mehrere Stunden verbracht hätten, ist es Zeit, sich zu verabschieden. Am schwierigsten fällt das den Kids, die einträchtig unter einem Strohschirm sitzen und „The Hobbit“ in Originalversion ansehen. Alle drei fragen, ob sie sich nicht am nächsten Tag wieder treffen können, um zu spielen und den Film zu Ende zu schauen. Und so kommt es dann auch. Zwei Tage später gehen wir mit der Familie mittags zu einem Tongan Feast und bekommen danach, nach einem Aperitif auf dem Loungedeck, ausgiebig das Schiff gezeigt. Wow, das ist für uns alle ein weiterer absoluter Höhepunkt unserer Reise!

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Was wollen wir mehr? Traum-Sonnenuntergang, Riesenpizza und hinterher eine spannende Partie “Mexican Train” mit Freunden!

Join The Ride

Fragen benatworten wir immer gerne. 

Ein wunderbares Anlegemanöver am Geländer in Port Louis auf Mauritius

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Nachdem ich es tatsächlich geschafft hatte, alle Termine des Tages bis 16:00h abgehakt zu haben, saßen wir im voll gepackten Bus und waren auf dem