Monday 21st June 2021,
Auszeit mit Kindern

Grosse Veränderungen an Bord der hapa na sasa

Constantin 13. Juli 2015 Leben an Bord

Ich weiss gar nicht, welches die grössere, entscheidendere Veränderung auf der hapa na sasa ist. Vielleicht wisst Ihr ja auch schon, wovon ich spreche oder habt in den letzten Wochen etwas geahnt. Natürlich, beide Veränderungen sind nicht von Heute auf Morgen entstanden, sondern sind die logische Konsequenz von Ereignissen, positiven als auch negativen, der letzten Wochen und Monate.

Franka ist heute zurück nach Deutschland geflogen

Heute morgen haben wir Franka hier in Tahiti zum Flughafen gebracht, und sie ist über Los Angeles und Paris zurück nach Deutschland geflogen, alleine.
Franka war in den letzten Wochen unzufrieden mit ihren Bordlehrern und hat beständig den Wunsch geäussert, auf eine richtige Schule zu gehen, mit richtigen Lehrern, Klassenkameraden, selbst der Weg zur Schule war ihr wichtig. Bei letzterem bin ich an Bord immer davon ausgegangen, dass der fehlende Schulweg und die gesparte Zeit für Franka ein Gewinn, ja positiv ist. In einem meiner Gespräche mit ihr musste ich lernen, dass sie den Schulweg in Stuttgart durchaus positiv sieht, auf eine Art und Weise sogar geniesst, mit den Freunden in Bussen und Bahnen den ein oder anderen Schabernack zu treiben. Da hatte ich eine ganz andere Perspektive und so gibt es noch einige weitere Themen, die aus unserer Elternsicht an Bord positiv, aus ihrer Sicht jedoch belastend oder lästig sind.
Auch wenn uns durchweg alle unterwegs getroffenen Segler bestätigt haben, dass wir den Kindern mit dieser Reise riesige Chancen eröffnen, ein grosses Geschenk machen, sie bei der Rückkehr in der Schule und danach ihr ganzes Leben davon profitieren, so sieht die Perspektive einer fast Dreizehnjährigen eben doch anders aus.
So weh es mir einerseits auch tut, unsere Reise ohne Franka fortzusetzen, es für mich gewissermassen auch eine persönliche Niederlage ist, desto mehr freue ich mich für Franka, dass wir für sie die Lösung realisieren konnten, die sie sich so sehr gewünscht und die sie so hartnäckig verfolgt hat.
Franka wird ab Herbst in Braunschweig auf ein Internat gehen, Braunschweig auf Grund der Nähe zu ihren Grosseltern. Stephie, Hans-Henning ganz vielen Dank an euch, dass ihr uns hier so unterstützt und Franka bei euch in ihrer freien Zeit aufnehmt, Danke.

Wir werden noch ein bisschen weiter segeln

Wir haben uns entschlossen unsere Reise fortzusetzen, weiter gen Westen segeln. Der eingeschlagene Kurs der letzten Monate war natürlich schon eine Änderung gegenüber unseres ursprünglichen Planes, aber zumindest theoretisch hätten wir unsere hapa na sasa ja auch in der Südsee oder in Australien verkaufen können. Aber nein, da waren einige Denkanstösse und positive Bestätigung von guten Freunden.
Da war Antonio, unser lieber italienischer Freund der in Neuseeland seit 20 Jahren Rinder züchtet, der sagte: „Constantin, das einzige, was dich beschränkt sind deine Arme, deine Beine und deine Prostata“. Was soll das heissen? Klammern wir die Prostata mal aus. Alle Probleme, vordergründige Probleme, wie die Finanzierung der Weiterfahrt, der Upgrade unseres Bootes, Frankas Schule, und und und, sind alles Probleme, die teils übermächtig erscheinen, aber lösbar sind. Wenn wir aber zu lange mit der Realisierung unserer Träume warten, kommen die Probleme, die nicht mehr so einfach lösbar sind, wenn die Kraft in Armen und Beinen nachlässt, die Balance schlechter wird, Konzentrationschwäche bei Schlafmangel in den Nachtwachen. Ich bewundere zu tiefst alle Freunde, die wir unterwegs getroffen haben, alle die 60 Jahre +, teilweise 70 Jahre + sind, dass sie den Mut und die Kraft haben, ihren Traum zu verwirklichen, ihre Reise zu machen. Bei ihnen ist das Problem nicht, die Schule der Kinder, die fehlenden Euros, sie machen sich Gedanken, ob sie das ein oder andere Südseeparadies noch sehen oder ob ihre zunehmen körperlichen Einschränkungen sie vorher aus dem Rennen nehmen. Ich für meinen Teil möchte Träume nicht aufschieben, nicht das Risiko eingehen, hinten raus ein Zeitproblem zu bekommen.

Und Dietmar, den ich einfach nur zitieren möchte: „Das Leben ist so kurz, und man sollte sich seine Wünsche erfüllen, damit man Platz für neue Wünsche hat.“

Und damit das alles möglich wird scheide ich zum Ende Juli bei Porsche aus

Und damit wir all dies umsetzen können, habe ich mich schweren Herzens von Porsche getrennt. Natürlich ist da diese einzigartige Firma mit den geilen Autos, wichtiger waren da aber die Kollegen, Chefs und Chef Chefs, die mir die letzten Jahre immer wieder die Möglichkeit gegeben haben, zu lernen und mich weiter zu entwickeln. Und ich bin der Firma und meinen Chefs unendlich dankbar, dass sie mir den Start zu dieser Reise über ein Sabbatical ermöglicht haben. Ohne dieses Sprungbrett wären wir wahrscheinlich gar nicht erst los gefahren.

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